Zum Inhalt springen
Gedenkort Gunskirchen Station 2

Das Lager

Station 2

Das Lager

Accessed at United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of National Archives & Records Administration, Filmstill 00:04:20

Audio Audioguide – Das Lager
2:49
Nächste Station anhören: Die Hölle im Wald →

Überblick

„Es gibt immer eine noch schlimmere Hölle. […] es besteht kein Zweifel, dass wir zum Sterben hierhergeschickt worden sind.“

Edith Eger 1

Ende 1944 ordnete Gauleiter August Eigruber an, im als „Hochholz“ bezeichneten Waldstück der Gemeinde Edt bei Lambach nahe Gunskirchen ein „SS-Notbehelfsheim“ mit elf Baracken zu errichten.

Für die Bauarbeiten wurden etwa 400 Häftlinge aus dem KZ Mauthausen in der ehemaligen Volksschule im Ortszentrum von Gunskirchen untergebracht. Das Gebäude wurde umzäunt und streng bewacht. Von dort wurden die KZ-Häftlinge täglich in den Wald getrieben, wo sie Baracken errichten, Holz schlagen und Material transportieren mussten. Der Weg zwischen Schule und Baustelle wurde zum täglichen Gewaltmarsch unter SS-Bewachung.

Die Bedingungen waren extrem hart: Hunger, Erschöpfung und Misshandlungen prägten den Alltag. Bereits in den ersten Wochen starben 30 Menschen an den Folgen der Zwangsarbeit. Nachdem die Bauarbeiten am KZ-Außenlager im Wald beendet waren, wurden die in der Volksschule untergebrachten KZ-Häftlinge für andere Holzarbeiten in der Umgebung eingesetzt.

Ende März 1945 wurde das in Bau befindliche KZ-Außenlager zu einem Sammel- und Auffanglager für etwa 20.000 KZ-Häftlinge umfunktioniert. Ihre Heimat lag zumeist in Ungarn und den von Ungarn besetzten Gebieten der Tschechoslowakei, Rumäniens und dem Karpatenland, aber auch in Polen, Frankreich, Belgien, Litauen und anderen europäischen Ländern. Sie waren auf Todesmärschen aus anderen Zwangsarbeits- und Konzentrationslagern in das Zeltlager des KZ Mauthausen und weiter in das KZ-Außenlager Gunskirchen getrieben worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Baracken noch unfertig, sanitäre Anlagen fehlten weitgehend. Jede der Holzbaracken im Waldlager war ursprünglich für 300 Gefangene konzipiert. Schließlich aber mussten zwischen 2.500 und 3.000 Menschen darin Platz finden. Durch die Überbelegung konnten die Häftlinge nur mehr eng aneinandergedrückt am Boden sitzen.

Das Lager im Wald war schwer zugänglich und wurde bewusst versteckt errichtet. Gleichzeitig blieb es durch den täglichen Häftlingsmarsch von der Volksschule in den Wald während des Aufbaus und die Todesmärsche durch die Region Teil eines sichtbaren Systems von Gewalt.

Die Zahl der Todesopfer im Waldlager Gunskirchen wird auf etwa 3.500 geschätzt.

Nach der Befreiung durch die Amerikanische Armee entdeckte Leichen am Ort des KZ-Außenlagers Gunskirchen
Nach der Befreiung durch die Amerikanische Armee entdeckte Leichen am Ort des KZ-Außenlagers Gunskirchen. – United States Holocaust Memorial Museum Photo Archives: #77158, Copyright: Public Domain

Die Bewachung des KZ-Außenlagers übernahmen Angehörige der SS sowie Polizei- und Feuerwehreinheiten aus Wien. Kommandoführer Heinrich Häger und Bauleiter Paul Anton Kaiser wurden nach dem Krieg im Dachauer Mauthausen-Prozess zum Tode verurteilt und 1947 hingerichtet.

Quellen

  1. Eger, Ich bin hier, und alles ist jetzt. Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können, 2018, S. 123. ↑

Alle Quellen im Archiv ansehen

Zeitzeug*innen erzählen

Shaul Spielmann

Shaul Spielmann – Am Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers im Bereich der Baracken

Quelle: Interview Shaul Spielmann

3D-Ansichten

Einzelne Standorte lassen sich auch in einer dreidimensionalen Ansicht erkunden.

Das Lager

Beim Öffnen dieser Ansicht werden externe Inhalte geladen.

Ansicht in neuem Tab öffnen

weiter zu

Station 1 Der Weg nach Gunskirchen

Station 3 Die Hölle im Wald

Station 4 Die Befreiung

Station 5 Entwicklungen nach 1945