„Jeder, der für einen Augenblick stehenblieb, wurde erschossen und seine Leiche auf den Wagen geworfen. Ich schritt dahin, weil die anderen dahin schritten, trottete gedankenleer hinter ihnen her. Ich dachte nicht mehr darüber nach, ob ich leben wollte oder nicht. Ich wusste auch nicht, wann dieser Marsch zu Ende sein wird und wohin sie uns bringen würden. Ich war vollkommen apathisch.“ Joseph Fisher erinnert sich in seinen Memoiren an die Zeit von 1937 bis zur Befreiung aus dem Waldlager Gunskirchen, als Überlebender des Ghettos, der Konzentrationslager Auschwitz, Gusen I und II, von Mauthausen und zuletzt Gunskirchen.
In der letzten Phase der Evakuierung ab Ende März 1945 wurden die KZ-Häftlinge in „Todesmärschen“ in die wenigen noch verbliebenen KZ-Lager getrieben. Zahlreiche Menschen wurden auf diesen Märschen erschossen oder starben an Erschöpfung. An verschiedenen Orten der Todesmärsche nahm der Volkssturm an der Erschießung teil, wie z. B. am Präbichl durch den Volkssturm Eisenerz. Die unzähligen Häftlinge die mit Todesmärschen ins KZ Mauthausen geführt wurden, überforderten die Struktur des Konzentrationslagers Mauthausen. Die Häftlinge kamen zum größten Teil in das Zeltlager und wurden nicht namentlich registriert. Das KZ-Außenlager Gunskirchen wurde wie das Zeltlager in Mauthausen errichtet, um vorübergehende Auffanglager zu schaffen. Vom 7. bis 25. April 1945 mussten zwischen 17.000 und 20.000 KZ-Häftlinge - unabhängig von Geschlecht, Alter und Registrierung - zu Fuß den Todesmarsch von Mauthausen nach Gunskirchen antreten. Das KZ Gunskirchen war außerhalb des Ortes im Wald gelegen, abgesondert von der restlichen Bevölkerung. Sichtbar waren hingegen die endlosen Kolonnen der Todesmärsche, die sich auch sehr viel stärker in die Wahrnehmung und Erinnerung der lokalen Bevölkerung eingruben.