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Handschrift von Avigdor Neumann

Avigdor Neumann hielt am 29. September 2026 seine Erinnerungen an Verfolgung, Deportation und Befreiung sowie seinen Appell gegen Antisemitismus handschriftlich auf Hebräisch fest.

Handschrift von Avigdor Neumann, 29. September 2026, hebräisches Original
Handschrift von Avigdor Neumann, 29. September 2026, hebräisches Original

Deutsche Übersetzung

Mein Name ist Avigdor Neumann. Ich bin ein 95-jähriger Holocaust-Überlebender und lebe in Israel. Ich wurde 1931 in der Stadt Sailish geboren, die damals zur Tschechoslowakei gehörte und heute in der Ukraine liegt. Ich wuchs in einer Familie mit sieben Kindern auf; eine Schwester starb zu Hause.

Im Jahr 1944, als wir bereits unter ungarischer Herrschaft standen (seit 1939), marschierten die nationalsozialistischen Deutschen ein. Das Allererste, was sie uns Juden aufzwangen, war das Tragen des gelben Davidsterns an unserer Kleidung. Danach zwangen sie uns in ein Ghetto und von dort aus unter unmenschlichen Bedingungen in Viehwaggons. Ungefähr 100 Menschen – alte Menschen, Kinder und Kleinkinder – wurden zusammengepfercht, auf dem Boden sitzend, ohne Toiletten, ohne Wasser und mit kaum Luft durch eine kleine Öffnung.

Nach drei Tagen kamen wir in Auschwitz-Birkenau an. Meine Mutter und drei Kinder wurden noch an demselben Tag in den Gaskammern – dem Krematorium – ermordet. Obwohl ich erst zwölfeinhalb Jahre alt war, wurde ich zusammen mit meinem Vater und meinem älteren Bruder zur Arbeit geschickt. Wenige Tage später wurden mein Vater und mein älterer Bruder in andere Lager gebracht und im Lager Kaufering in Deutschland ermordet.

Ich blieb völlig allein zurück. Ich wurde zur Arbeit eingeteilt, und die Nummer B-14665 wurde in meinen Arm tätowiert; dies diente fortan als meine Identifikation. Wir litten unter Hunger, Erniedrigung, Schlägen, Kälte und Hitze, ohne uns waschen zu können und ohne die minimalsten hygienischen Bedingungen.

Ich überlebte drei Selektionen durch Mengele.

Im Januar 1945 wurden wir zu einem dreitägigen Todesmarsch aus Auschwitz gezwungen, durch knietiefen Schnee bei Temperaturen von minus 25 Grad Celsius.

Wir bestiegen einen Zug, der uns nach Mauthausen brachte. Die Bedingungen waren schrecklich. Wir saßen im Zeltlager auf dem Boden im Schlamm und litten unter Hunger, Kälte und Nässe.

Von Mauthausen aus folgte ein weiterer Todesmarsch nach Gunskirchen, der ebenfalls drei Tage dauerte. Es war ein schreckliches Lager, voller Leichen und kranker Menschen. In den Baracken saßen wir auf dem Boden im Schlamm.

Im Mai 1945 befreite uns die amerikanische Armee.

Dies ist eine sehr kurze Zusammenfassung dessen, was die nationalsozialistischen Deutschen den Juden mit bestialischer Grausamkeit angetan haben. Sie ermordeten sechs Millionen Juden, darunter anderthalb Millionen Kinder, aus einem einzigen Grund – weil sie als Juden geboren wurden –, angetrieben von wahnhaftem und antisemitischem Hass.

Daher sind diese Generation und alle kommenden Generationen verpflichtet, alles Mögliche zu tun, um sicherzustellen, dass so etwas niemals, aber auch wirklich niemals wieder geschieht – besonders jetzt, da Antisemitismus und Holocaustleugnung ihr hässliches Haupt erheben. Wir müssen dem kontinuierlich und ohne Unterlass Einhalt gebieten.

Zur Biografie von Avigdor Neumann

Quellen

  1. Hebräische Handschrift von Avigdor Neumann vom 29. September 2026. Foto und Übersetzung übermittelt von Johanna Jaksch am 4. Oktober 2026.