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Gedenkort Gunskirchen Station 1

Der Weg nach Gunskirchen

Station 1

Der Weg nach Gunskirchen

Privatsammlung Walter Dall-Asen, Hieflau (Ausschnitt)

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2:37
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Überblick

Im Herbst 1944 begann das nationalsozialistische Regime mit dem Bau des sogenannten Südostwalls, einer Verteidigungslinie entlang der heutigen österreichisch-slowakischen und österreichisch-ungarischen Grenze. Sie sollte den Vormarsch der Roten Armee aufhalten. Errichtet wurde sie größtenteils von ungarischen Jüdinnen und Juden unter Zwangsarbeit.

Mit dem weiteren Vorrücken der Roten Armee und der Erkenntnis der Aussichtslosigkeit der militärischen Lage wurden die Zwangsarbeitslager für den Südostwallbau aufgelöst. Ende März, Anfang April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden Tausende geschwächte jüdische Häftlinge aus Lagern des Südostwallbaus, zahlreichen Zwangsarbeitslagern und KZ-Außenlagern in und um Wien in ein Zeltlager des Konzentrationslagers Mauthausen „evakuiert“ – mehrheitlich Männer, aber auch Frauen und Kinder. Im völlig überfüllten Zeltlager des KZ Mauthausen fehlte es an Nahrung, Wasser, Schutz vor Kälte und sanitären Einrichtungen. Der Überlebende Daniel Chanoch erinnerte sich später: „Wenn Mauthausen ein Inferno war, dann gibt es für dieses Zeltlager keine Definition im menschlichen Wörterbuch.“ Viele Häftlinge wurden nicht registriert, die genaue Anzahl der im Zeltlager im KZ Mauthausen internierten Personen ist deshalb nicht bekannt.

„Ende April 1945, als es so schien, als könnte es nicht schlimmer werden, erhielten die Kinder den Befehl, einen neuen Marsch nach Westen zu unternehmen. Das Ziel […:] Gunskirchen, der größte Schrecken von allen […]“

Daniel Chanoch 1

Zwischen 15. und 28. April 1945 begannen schließlich fast täglich Todesmärsche nach Gunskirchen. 17.000 bis 20.000 überwiegend jüdische KZ-Häftlinge – Männer, Frauen und Kinder – mussten den etwa 55 Kilometer langen Weg in drei Tagen zurücklegen. Bewacht wurden sie von SS, Polizei, Volkssturm, Hitlerjugend und weiteren bewaffneten Einheiten.

Die Menschen waren völlig entkräftet. Viele besaßen keine Schuhe mehr, sie schliefen im Freien und erhielten kaum Nahrung oder Wasser. Um zu überleben, aßen sie Gras, Pflanzen, Schnecken und Würmer. Wer nicht mehr weitergehen konnte oder die Kolonne verließ, wurde für gewöhnlich erschossen. Entlang der Marschrouten erinnern bis heute Massengräber und Gedenkstätten an die Opfer.

Als die Überlebenden Gunskirchen erreichten, erwarteten sie unfertige Holzbaracken ohne sanitäre Einrichtungen – das Lager im Wald war bei Weitem noch nicht fertiggestellt.

Quellen

  1. Chanoch, Erzählen um zu leben. Das Leben ist eine Frage von Sekunden und Millimetern. 2021. S. 52. ↑

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